Das Guerin-Verfahren
Das Guerin-Verfahren ist ein Fertigungsverfahren, um Metallteile, Bleche und thermoplastische Kunststoffe in eine andere Form zu bringen. Der Vorteil des Umformens, ist die Beibehaltung des Volumens. Das Grundmaterial behält seine Festigkeit, dass das fertige Produkt aus einem Teil hergestellt wurde. Keine Schweiß- oder Klebenähte belasten die Stabilität.
Um diese Art der Formung zu erklären, bietet sich die Herstellung einer Münze an.
Um ein Geldstück herzustellen verwendet man seit Jahrhunderten ein Verfahren, welches dem Guerin-Verfahren sehr ähnelt.
Ein Metallplättchen, in diesem Fall eine ungeprägte Münze, wir auf eine Form gelegt, welche die zukünftige Prägung als erhabenes Negativmuster trägt. Mit einer entsprechenden Kraft wird nun die Münze auf, beziehungsweise in diese Form gepresst. Nun befindet sich die Münze, genauer die Oberfläche der Münze, in der gewünschten Form.
Ähnlich ist auch das hier beschriebene Guerin-Verfahren.
Eine Metallplatte, ein Blech, wird auf eine entsprechende Form, eine Patrize, gelegt. Diese Form ist, wie bei der beschriebenen Münze, eine erhabene Negativform. Das Gegenstück wäre die Matrize, welche aber bei dem Guerin-Verfahren nicht benötigt wird. Diese Form soll das Metall, das Blech zukünftig ebenfalls haben. Um nun allerdings das genaue Abbild schaffen zu können, muss das verwendete Metall einhundertprozentig in die vorgegebene Form gepresst werden.
Um dies zu erreichen verwendet man als Druckgeber ein elastisches Material. Dieses Material drückt sich perfekt in die angegebene Form und nimmt so das umzuformende Metall mit. So entsteht ein perfektes Werkstück. Als Druckgeber wird in aller Regel ein Gummikissen verwendet, das sich hervorragend für diese Zwecke eignet. Die Patrize wird auch als Halbwerkzeug bezeichnet und kann aus den unterschiedlichsten Materialien bestehen. Je nach Anforderung verwendet man für ein Stanzwerkzeug Aluminium, Kunststoff oder Stahl. Ein Halbwerkzeug ist nicht solch erheblichen Kräften ausgesetzt wie ein Vollwerkzeug, welches ebenfalls oftmals einen eigenen Druck erzeugt. So ist die Verwendung von kostengünstigen Materialien wie Holz möglich. Dadurch ist die Patrize allerdings nur in begrenztem Maße einzusetzen. Nach einigen Anwendungen würde sich die Form verändern und die Werkstücke wären nicht mehr identisch. So wird dieses Verfahren hautsächlich im Modellbau eingesetzt. Auch Kleinserien bestimmter Werkstücke werden auf diese Weise gefertigt.
Selbst in der Kunst geht greift man in bestimmten Fällen auf dieses Verfahren zurück. Goldschmiede beispielsweise erschaffen so unnachahmliche Meisterstücke, Einzelwerke, die natürlich ihren Preis haben.
Normalerweise wird das Verfahren in der Industrie, gerade in der Automobilbranche verwendet.
Das Guerin-Verfahren ist angeblich nach dem französischen Kupferstecher Christophe Guerin benannt, der das Verfahren im ausgehenden 18. Jahrhundert bei seiner Arbeit angewendet haben soll.
Das Verfahren ist in der Urform sehr alt. Guerin hat es verfeinert und in die Moderne gebracht. Auch in Zukunft wird man in der Industrie auf Modelle nicht verzichten können. So wird auch das Guerin-Verfahren zukünftig immer seine Anwendungsgebiete finden. Selbst in diesem Bereich der Umformung hat längst die moderne Technik und Elektronik ihren Einzug gehalten. Auch das Guerin-Verfahren wird inzwischen mit Hilfe der Computer angewendet. So ist beispielsweise der Druck nahezu perfekt auf das verwendete Material des Werkstückes als auch auf die Patrize abgestimmt. So ausgesteuert werden die fertigen Stücke, die Endprodukte passend und ideal zu Weiterverarbeitung vorbereitet.




